Privater Vermögensaufbau für einen Normalbürger

Ein sehr unbequemes Thema, wenn es um Geld geht – der private Vermögensaufbau. Viele Deutsche sind hier meist extrem zurückhaltend, wie und ob sie überhaupt Vermögen aufbauen. Geld ist in Deutschland leider ein extremes Tabu-Thema, entweder man hat es, oder man hat es nicht.

Ich möchte die Grenze überschreiten und meine Gedanken zum Vermögensaufbau offen legen.

Ich kann dir natürlich nicht den ultimativen Tipp geben, sondern erzähle einfach von meiner Situation und wie ich das für mich aufgebaut habe. Eine echte Beratung kann und darf ich auch nicht abgeben, da ich hierfür nicht die notwendigen Zulassungen besitze. Dieser kleine Blogeintrag ist ausschließlich aus meiner Perspektive erzählt, und soll keinen animieren, es identisch zu machen, sondern einfach einen kleinen Denkanstoss geben.

Also ich habe auch lange hin und her überlegt. Angefangen haben im Endeffekt meine Eltern für mich.

  • Bausparvertrag und Riesterrente von der Sparkasse – Typisch Deutsch eben.

Irgendwann machte es auch bei mir Klick – ich muss mehr tun. Also habe ich mich mit Fachbüchern und Internet eingelesen. Folgende Themengebiete spielen hierbei eine Rolle:

  • Immobilien
  • Rohstoffe
  • Aktien / Fonds
  • Versicherungen
  • Edelmetalle

Auch meine aktuelle Situation bei Versicherungen und meiner aktuellen Geldvorsorge habe ich intensiv recherchiert und ein Resümee gezogen.

Der Bausparer hatte zwar eine gute Verzinsung, dafür war aber das Bauspardarlehen mit Zinsen bestückt, die jenseits von gut und böse sind. Also hab ich diesen aufgelöst als er Zuteilungsreif war.

Die Riesterrente der Sparkasse war ebenfalls ein riesen Reinfall. Alleine für die Bearbeitungskosten/Verwaltungskosten/Abschlusskosten und alles drumherum an Gebühren haben sich erst nach 5 Jahren Einzahlung amortisiert. Erst nach 5 Jahren habe ich also angefangen für mich zu sparen. Fazit: Schädlich aufgelöst. Auf die paar Euro Euro staatl. Förderung kann ich verzichten. Auch die Fonds die dahinterstecken sind sauteuer und haben eine grottenschlechte Performance.

Nun stand ich da – ohne Vorsorge. Gehen wir auf meine Themen ein.

Edelmetalle / Rohstoffe

Ist nichts für mich. Ich habe keine Lust, Gold in der Bank oder im Safe zu bunkern. Zudem Edelmetalle stark politisch geprägt sind. Rohstoffe als Investment – naja muss man abkönnen, auch vom Gewissen. Nichts für mich.

Versicherungen

Sind grundsätzlich nicht geeignet für einen Vermögensaufbau. Selbst Fonds im Versicherungsdeckmantel sind aus meiner (laienhaften?) Sicht nicht zu empfehlen. Versicherungen sind dafür da, um Risiken abzusichern. Hausrat, Berufsunfähigkeit, Zahnzusatz, usw. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Immobilien

Eine Immobilie ist kein Investment, wenn man diese selbst bewohnt. Meistens nimmt man sich von der Bank ein Darlehen und zahlt dieses Jahrelang zurück, inkl. Gebühren / Zinsen. Nebenbei will das Haus auch Instand gehalten werden. Das Vermögen steigt hierbei nicht, denn man bezahlt das Haus – das Haus bezahlt aber nicht dich! Mit Glück gewinnt das Haus an theoretischem Wert. Aber ob die Wertsteigerung über Jahre anhält? Inflation mal nicht berücksichtigt. Eher nicht. Das Haus wird älter und älter. Irgendwann gibt es den Break-Even Point. Die Immobilie will saniert werden, das Dach ist kaputt, die Heizung muss neu gemacht werden. etc. Ich kenne genug, die ca. 2009-2013 gekauft haben und sich jetzt mega freuen, weil sich ihre Immobilie im Wert verdoppelt, verdreifacht oder gar vervierfacht hat. Das sind gerademal 4-7 Jahre in denen sie dieses Eigentum „besitzen“ – sicherlich nicht voll abbezahlt. Interessant wird es, wenn sie nach 20/30/40 Jahren verkaufen wollen, wenn die Immobilie tatsächlich Ihnen und nicht mehr der Bank gehört. Ein aktuelles Beispiel von einem Bekannten: ETW gekauft für ca. 120.000. Hat 2010 gekauft. Dann mussten neue Fenster, neue Heizung, Renovierung, Fassadensanierung her. Das ganze hat ihn ca. 50.000 Euro gekostet. Heute erhält er Angebote für die ETW für 170.000 EUR. Man erkennt: Er hat nichts gewonnen, obwohl sein Eigentum an „Wert“ zugelegt hat.

Immobilien sind nur dann ein Investment, wenn man diese vermietet und sozusagen andere sein Eigentum abbezahlen lässt: -> dein Vermögen wächst. Allerdings sind Immobilien als Investment mit mehreren Nachteilen (aus meiner Sicht) verbunden:

  • du brauchst Startkapital bei einem Kauf – bestenfalls 10-20% vom Kaufpreis.
  • du hast ein Klumpenrisiko und sehr viel Vermögen an einer Stelle. Muss man mögen.
  • du hast Verwaltungsaufwand, oder bezahlst dafür um davon freizukommen (Hausverwaltung)
  • du bist mit mehreren hunderttausend, wenn nicht sogar Millionen in den Miesen, wenn du das richtig aufziehst (5-6 Immobilien sollten es schon sein)
  • du musst wissen was du kaufst und wo du kaufst (die meisten Laien- Immobilienkäufer machen gerade 1-2% Rendite). Auch hier ist eine menge Recherchearbeit notwendig
  • Im Notfall kann man nicht „mal eben“ kapitalisieren, sprich den Gegenstand in Geld umwandeln. Dies dauert seine Zeit.

Aktien/Fonds

Das letzte, was übrig bleibt. Der größte Vorteil ist, das ich mein Depot weltweit managen kann, ich nicht auf einen Standort fixiert bin und dass ich eigentlich kein echtes Startkapital benötige. Dank Sparplänen kann ich ab 25/50EUR im Monat schon loslegen mein Vermögen aufzubauen. Zudem lassen sich Aktien und Fonds viel einfacher kapitalisieren.

  • aktiv gemanagte Fonds sind zu teuer (Management Gebühren, Ausgabe- und Rücknahmaaufschläge, etc.) und haben eklatante Nachteile gegenüber Index-Produkten (ETFs), z.B. gibt es 0,000001% (einfach mal nen kleinen Wert genommen) an gemanagtedn Fonds, die über 10 Jahre ihren Vergleichsindex schlagen – warum also Überrendite versuchen zu kassieren, wenn ich mit der Index-Rendite auf Langfristige Sicht sowieso besser fahre. Also habe ich aktiv gemanagte Fonds weg gelassen
  • Einzelwerte kaufen: auch hier gilt, man muss wissen was man wann kauft und es ist ein ständiges Auge, sowie wirtschaftliches Know-How nötig (Jahresberichte lesen können, Bilanzierungen, wie gehts dem Unternehmen, etc.)

Ich habe mich für die ETF-Variante (Exchange-traded fund) entschieden. Das ist eigentlich ein Thema, das kann man hier garnicht wirklich aufgreifen.

  • günstige Verwaltungskosten
  • Maximale Streuung von Risiko möglich
  • Ich kann blind investieren, da ich Indexing damit betreibe und theoretisch am Erfolg oder Versagen von über 2100 Aktien/Einzelwerte/Unternehmen partizipiere
  • in meiner Konstellation 7-8% p.a. die letzten 20 Jahre inflationsbereinigt. Hochgerechnet auf 40 Jahre (hätte, könnte, sollte), werde ich bei aktueller Sparrate mit Frau locker ausgesorgt haben – und vielleicht ist sogar eine Privatier-Laufbahn ab 50 möglich
  • ich kann Sparraten monatlich auch mal aussetzen (bei einem Kredit geht das nicht so einfach)

Anbei ein paar Grafiken (Quelle: https://etf.deutscheam.com/DEU/DEU/Sparplan/Sparplaene-auf-db-X-trackers-ETFs):

Wir gehen davon aus, dass wir p.a. 8% Rendite erwirtschaften, 30 Jahre investieren, und leider keine Einmalzahlung haben.

Anlage: 50 EUR monatlich

Anlage 100 EUR monatlich

Anlage 250 EUR monatlich

Anlage 500 EUR monatlich

Anlage 750 EUR monatlich

Anlage 1000 EUR monatlich

Daher folgende Lektüre Empfehlung meinerseits:

Aber das wichtigste: willst du dich um deine Altersvorsorge selbst kümmern, musst du dich in die Themen einarbeiten und dich wirklich reinbeißen. Das ist kein Zuckerschlecken.

2 Kommentare

  1. Interessanter Beitrag, Glückwunsch zu der Performance. Wie hast du das 2001 und 2009 geschafft? Welche Sicherungsmechanismen benutzt du?
    Die selbstbewohnte Immobilie sehe ich sie dann als Anlageform, wenn sie Miete erspart, also wenn sie abbezahlt ist. Den Effekt wird über die Jahre auch die Instandhaltung nicht auffressen.

    1. 2001 und 2009? Geile Gelegenheiten zum Nachkaufen!

      Sicherungsmechanismen? Nerven behalten, Halten und nachkaufen wenn die Kanonen donnern!

      Das Thema Eigenheim ist ein sehr emotionales Thema – mir geht es auch garnicht ums „Recht behalten“, sondern um meine Sicht der Dinge. Wenn wir uns Ottonormalverbraucher ansehen, hat dieser sein Haus mit ca. 55-60 abbezahlt. Soviel Mieteinsparung kann keiner reinholen 🙂 natürlich ist es immer eine Einzelfallentscheidung ob es sich rentiert oder nicht. Aber ich bleibe dabei. Selbst bewohnte Immobilien sind keine Anlage, sondern ein Lifestyle. 🙂

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